Szene 1:
Jeder erinnert sich an die Szene vom ersten Spieltag im Spiel FC Bayern gegen Hoffenheim: Michael Rensing fischt den Kopfball von Simunic hinter der Linie aus dem Tor der Bayern. Stadionbesucher, Fernsehzuschauer und Reporter meinen dass der Ball zweifelsfrei hinter der Linie war.
Rensing hingegen erklärt nach dem Spiel vor der Kamera dass er gehofft hat, der Schiri würde nichts merken.
Szene 2:
Pogrebnyak rennt am 2. Spieltag im Spiel VfB Stuttgart gegen den SC Freiburg auf Keeper Manuel Salz (SC Freiburg) zu und fällt. Der Schiedsrichter gibt Elfmeter und alle protestieren.
So sagt der Stuttgarter dass es ein klarer Elfmeter gewesen sei und der Freiburger dass es eben keiner war. (In der nächsten heiklen Strafraumsituation gab es übrigens keinen Elfmeter – für die größten Kritiker steht es nun also 1:1)
Im “Aktuellen Sportstudio” wird man später feststellen dass auch nach mehrmaliger Zeitlupe nicht zweifelsfrei klar ist ob das nun ein Elfmeter war oder nicht. Also wieso die Diskussion? Was hätte der Schiri am Rand gemacht? Einen Videobeweis angeschaut, der nichts zweifelsfrei beweist? Und das vor 55.000 Zuschauern die brüllen und den Elfmeter wollen? Und hätten wir danach nicht auch die selbsternannten Experten die der Meinung sind dass der Schiedsrichter auf dem Videobeweis-Band das doch hätte sehen müssen?
Szene 3:
Am 2. Spieltag könnte Eduardo einen Kopfball des Leverkuseners Hyypiä mit der Hand von der Linie gekratzt haben. Hoffenheim bleibt cool, Leverkusen protestiert.
Der Schiedsrichter hat nicht gepfiffen, die Zeitlupe zeigt nur das Handspiel. Die für eine rote Karte und Strafstoß fällige Absicht kann man nicht zweifelsfrei nachweisen. Der Spieler dreht seinen Oberkörper und der Ball spring ihm an die Hand. Was nun? Weiterspielen? Leverkusen hat das Spiel 1:0 gewonnen und wird sich jetzt wohl kaum beklagen. Daher warten wir einfach mal bis die Szene für die nächste “Propaganda”-Dokumentation pro Videobeweis wieder ausgekramt wird
Unsportlichkeit oder Fehlentscheidung? Weltunterang oder halb so schlimm?
Bevor wir die Frage nach einem Schiedsrichterfehler oder einer Torkamera stellt, sollte man sich zuerst einmal fragen: ist dies ein sportliches Verhalten Michael Rensings? Wäre es nicht sportlich gewesen zuzugeben “der Ball war hinter der Linie”? Oder wäre es dumm gewesen? Kein Spieler hätte das gemacht und keiner sollte es Rensing verübeln die Klappe gehalten zu haben.
Hätte der Schiri den Spieler direkt gefragt und hätte dieser absichtlich gelogen, dann wäre das unsportlich und charakterlich schwach. So wie damals Oliver Held im Abstiegskampf… Aber auch da ging das Leben weiter.
Wäre der Sport wirklich fairer ohne versteckte Fouls? Hätte der Schiedsrichter Mark van Bommel am ersten Spieltag vom Platz gestellt? Vielleicht ja – vielleicht nein. Aber auch solche Spieler machen den Fussball sehenswert. Echt fiese Typen. Und van Bommel ist immer noch ein Lamm im Vergleich zu den Bad Boys Gattuso, Vinnie Jones, Gascoine, Roy Keane oder Cantona. Fussball war früher weder unfair noch ungerecht. Es war einfach Fussball.
Und Schwalben gibt es nicht erst seit Pogrebnyak. War es nicht allgemein erheiternd wenn Andi Möller gefallen ist und jeder Zuschauer (ohne Videobeweis) sofort mit seinem Nachbarn gewettet hat obs jetzt Elfmeter oder eine Verwarnung oder gar nix gibt? Und wenn dann nichts passierte, wurde in Dortmund gegen den Schiri gepfiffen und auswärts gegen den Spieler. Das war immer gut für die Stimmung und verhalf dem ein oder anderen Stadiongänge zur kostenlosen Bratwurst mit Bier.
Und wenn es eine Fehlentscheidung war, dann war es in Gottes Namen eine Fehlentscheidung. Hier spielen Menschen und keine Terminatoren. Ausserdem hätte TV Moderator Marcel Reif dann ein Angriffsziel weniger. War eine Fehlentscheidung zu krass (siehe das 2:1 der Bayern gegen Nürnberg und Helmers Phantom Tor), dann wurden Spiele auch mal wiederholt. Oder sie wurden wie Wembley 1966 zu Legenden. Fehlentscheidungen gehören nun einfach mal zum Fußball.
Brauchen wir den inszenierten Fußball? Brauchen wir die Torkamera und Videobeweis?
Wie haben wir eigentlich die letzten Jahre Fussball gespielt? Hat die Dramatik und die Spannung des Spiels nicht auch davon gelebt dass es strittige Situationen gab, in denen jedes Mal eine Mannschaft (mit Fans und Trainerbank) sich im Recht sah? Situationen in denen man im Nachhinein sagte: Mensch, die hatten Dusel – aber so ist der Sport?
In meinen Augen nehmen diese Modifikationen dem Sport die Spannung. Die Unberechenbarkeit. (Und die Schadenfreude nach einem Spiel zum gegnerischen Fan zu sagen: “Klar, der war hinter der Linie. Tor ist aber wenn der Schiri pfeift!”)
Die Vereine argumentieren natürlich dass Fehlentscheidungen Spiele beeinflussen, zu Punktverlusten führen und somit auch am Ende zu finanziellen Verlusten. Genau dieses Denken macht den Sport kaputt.
Und keiner will inszenierten Fussball wie in den USA oder bei der WM 2006 als nach der Niederlage gegen Italien 10 Minuten nach Abpfiff “Und dann die Hände zum Himmel gespielt wurde”… Wahnsinn. Dieser Regisseur ist entweder Engländer oder einfach ein – wie der Schwabe so schön sagt – Halbdackel. Man überspielt kreative Fan-Gesänge und verbietet Choreos der Ultras – nur warum?
Im Fussball geht es nicht um Geld, um Transferbudgets, um Werbeeinnahmen und immer um “Gerechtigkeit” – es geht um den Fußball wie wir ihn kennen und lieben. Seitdem wir alle auf der Welt sind. Und die DFL sollte den Fussball nicht kaputt machen!
Für den Sport und gegen den Videobeweis!
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August 17th, 2009 at 00:56
Hehe, guter Artikel. Also ich bin für den Videobeweis. So unterhaltsam die Schwalben und verstecken Fouls auch sein mögen – mit dem Videobeweis gewinnt am Ende der Bessere und nicht der mit mehr Glück! Unterhaltung hin oder her, so ist es gerechter!